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Referentin Doris Simon berichtet über das Aus- und Fortbildungsmodul für Ältere

VA1 8139Mit 88 Jahren bei bester Gesundheit zu sein, das ist sicherlich der Wunsch vieler Menschen. Wer aktiv etwas dafür nun möchte, ist in unserer Sportart Tischtennis bestens aufgehoben. Ein gutes Beispiel dafür sind Tischtennis-Weltmeisterschaften in der Altersklasse „Ü 85“.

Was sind die Geheimnisse, die Tischtennis so wertvoll machen und was können wir rund um unsere Sportart noch zusätzlich tun, um Körper und Geist vital zu halten? Darum geht es im Aus- und Fortbildungsmodul „Mit Tischtennis aktiv älter werden“.

Es gibt bundesweit geschätzt etwa 2 Millionen Hobby-Tischtennisspieler/innen, die bislang noch nicht den Weg in den Verein gefunden haben; viele davon sind bereits in der 2. Lebenshälfte. Doch was passiert, wenn diese plötzlich bei uns zum Erwachsenentraining kommen? – Die wenigsten Vereine sind darauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit Freude unsere Sportart zu erlernen. Hier liegt ein großes Entwicklungspotenzial für Tischtennisabteilungen, insbesondere bei  - trotz intensiver Bemühungen – zunehmenden Schwierigkeiten, Kinder und Jugendliche für unseren Mannschaftssport zu begeistern. Auch fehlen Angebote für all diejenigen Senioren und Seniorinnen, die zum Teil aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am Punktspielbetrieb teilnehmen können oder wollen.

Die Bedürfnisse der lebenserfahrenen Generation 50 + sind vielschichtig, das hat der Senioren-Survey des WLSB ergeben. Inhaltlich vielfältig und abwechslungsreich soll das Sportangebot sein, kompetent betreut, Gesundheit und persönliche Weiterentwicklung stehen im Vordergrund und vor allem soll es Spaß machen und gesellig sein. Zusätzlich sind die körperlichen Einschränkungen der Teilnehmenden  zu berücksichtigen… Es klingt, als würde man von Übungsleitenden „die Quadratur des Kreises“ erwarten.

Doch weit gefehlt! Wer diese Zielgruppe einmal ins Herz geschlossen hat, lässt sie so schnell nicht mehr los. „Doris, ich habe die ganze Nacht vom Vorhand-Topspin geträumt!“ entspringt nicht etwa der Begeisterung eines Kindes sondern eines 72-Jährigen, dem es erstmalig gelungen ist, das Geheimnis der Rotation zu lüften. Für mich als Übungsleitende kommt hinzu: Wo ich 2 helfende Hände zum Auf- und Umbau benötige, sind mindestens 10 Hände da. Und am Ende der Stunde stets der Blick in dankbare, nahezu glückliche Gesichter… welch ein Luxus – was will ich mehr? Ein angemessenes Honorar bekomme ich zusätzlich dafür.

VA1 8110Etwas von diesem „Spirit“ lernen dann auch den Teilnehmenden des Aus- und Fortbildungsmoduls „Mit Tischtennis aktiv älter werden“ kennen. Nach einem geistigen „Warm up“ geht es in die Sporthalle, um sich für 1 ½ Stunden während einer Modellstunde  in die Fußstapfen eines potenziellen Teilnehmenden zu begeben. Kennenlernspiele mit Schläger und Ball sowie zumeist Partneraufgaben zur Förderung der Koordination (Bewegungssicherheit im Alltag ist hier das Lernziel) stehen am Stundenanfang, gefolgt von einem kleinen Ausdauerteil mit Rundlaufvariationen. Anstatt wie beim „Mäxle“ auszuscheiden, kommt es hierbei auf Kooperation an. Für das Erlernen der Tischtennistechnik schließt sich ein Wissensteil an, mit Hilfe sog. „zwingender Situationen“ wird das Vermittelte anschließend am TT-Tisch in die Praxis umgesetzt. Spiel- und Wettkampfformen bilden einen abschließenden Schwerpunkt. Auch hier steht  die Zusammenarbeit im Vordergrund, wird beispielsweise im Doppelspiel der Aufschlag zu zweit durchgeführt oder wird das Doppel mit nur einem Schläger pro Paarung gespielt. Mit einem Kooperationsspiel endet die Modellstunde.

Die meisten Teilnehmenden sind überrascht, wie schnell die 1 ½ Stunden vergangen sind; die intensive Beschäftigung mit immer neuen Situationen macht Spaß und lässt die Zeit beinahe wie im Flug vergehen. Was viele nicht ahnen: Durch das vielfältige Übungsangebot werden die Nervenzellen in unserem Gehirn aktiviert, sich neu zu verbinden. Ein Beispiel: Auf einem Balancekissen einbeinig stehend den TT-Ball auf dem Schläger balancieren und mit dem freien Fuß in die Luft den Namen des Nachbarn in Spiegelschrift schreiben. Dabei wird das Gehirn mit Sauerstoff durchflutet, was nicht nur den Arealen zu Gute kommt, die für die Bewegungssteuerung zuständig sind. – Das ist vermutlich eines der gesundheitsfördernden Geheimnisse des Tischtennissports. Vereinzelt gibt es wissenschaftliche Berichte über den therapeutischen Einsatz des Tischtennisspiels bei einigen Formen der Alzheimer Erkrankung.

Neben der Vertiefung der Stundenelemente aus der Modellstunde lernen die  Teilnehmenden des Moduls  auch den jüngst veröffentlichten DOSB-Alltags-Fitness-Test kennen. Hier werden Kraft, Ausdauer und Koordination getestet. Für manche ist das Auswertungsergebnis Ansporn, künftig mehr für die körperliche Fitness zu tun. Tischtennisspielen allein reicht vielleicht doch nicht?

VA1 8109Dass vielfältige Bewegungsangebote für Vitalität und Lebensfreude förderlich sind, hat den Württembergischen Landessportbund WLSB auf die Idee gebracht, eine C-Trainer-Ausbildung anzubieten, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen in der 2. Lebenshälfte ausgerichtet ist. Das Gute daran ist, dass auch ältere Tischtennissportler eingeladen sind, im Sinne eines „Projekts Ruhestand“ die Trainer/in-C-Lizenz zu erwerben, um vielleicht Hobbysportgruppen 50+ anleiten zu können. Neben einer Basisausbildung gehört es auch dazu, mindestens 2 Sportarten vertiefend kennenzulernen. Ein tolles Angebot für all diejenigen, die neben Tischtennis das Bildungsangebot weiterer Fachverbände kennenlernen möchten. Das Modul „Mit Tischtennis aktiv älter werden“  kann also  neben der Fortbildung für Tischtennistrainer mit C-Lizenz auch  als Einstieg in die Ausbildung „Sport mit Älteren“ genutzt werden  (Informationen und Download  unter https://www.wlsb.de/aus-fortbildung-sportschulen-albstadt-ruit/sport-mit-aelteren).

Jüngere Trainer/innen nehmen für sich als Fazit mit, dass sich nahezu alle Praxisteile auch im Kinder- und Jugendtraining umsetzen lassen, andere Trainer/innen sind auch gleichzeitig im Vorstand oder in der Abteilungsleitung aktiv und nutzen die Ideen, um das Tischtennis-Vereinsangebot noch attraktiver machen zu können für neue Zielgruppen. Denn Senioren/innen haben zumeist auch Enkel, und die könnten das Jugendteam bereichern…

Das Modul ist aus den Erfahrungen mit dem Kursprogramm „Gesundheitssport Tischtennis“ des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) entstanden. Jüngst beteiligte sich der DTTB mit 3 Vereinen an der wissenschaftlichen Studie „Zugewandert und Geblieben“ für die Zielgruppe Migranten/innen 60+, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchführt.

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