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„Wir geben möglichen Tätern keine Chance“ - Kinderschutz ist oberste Verpflichtung

Das Thema Kinderschutz bzw. das „Kindeswohl im Sport“ und speziell die Prävention bezüglich sexualisierter Gewalt stehen seit einigen Jahren aufgrund von entsprechenden Vorfällen und damit auch verbundener Straftaten im Blickpunkt. Die rechtlichen Grundlagen zum Thema Kinderschutz sind  im Bundeskinderschutzgesetz verankert, das das am 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist.

Auch der TTVWH hat sich ab diesem Zeitpunkt intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und folgende Maßnahmen ergriffen:

Aufnahme einer/s Kinderschutzbeauftragten in die TTVWH-Satzung (Verbandstag 2011) Wahl von Gudrun Laur in dieses Amt der „Beauftragten Kinderschutz“ Versand von Informationsunterlagen und Formularen zum Thema an alle TTVWH-Vereine per Rund-Email im Jahr 2012.

Die Umsetzung entsprechender Präventionsmaßnahmen stellt für uns jedoch nicht nur eine Pflicht, sondern vielmehr auch ein wichtiges Anliegen dar, für das wir auch unsere Mitgliedsvereine sensibilisieren und gewinnen möchten. Um Grenzüberschreitungen in diesem Bereich, wie den in diesem Jahr (2017) bekannt gewordene Einzelfall, möglichst zu verhindern, setzen wir im TTVWH auf ein Gesamtkonzept, das aus den Elementen

Prävention Weiterbildung Intervention

besteht.

Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Kinder sind dabei für den Verband und Vereine:

Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses: Jeder unserer Trainer/innen, egal ob festangestellt oder auf Honorarbasis, muss bei neuem Vertragsabschluss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Dieses kann für Ehrenamtliche kostenlos angefordert werden. Verhaltensleitfaden Ehrenkodex: Werte und Normen im eigenen Verein werden in Form von Richt- und Leitlinien fixiert. Die eigene Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen wird bewusst gemacht.

Zudem verpflichten sich die Trainer/innen mit ihrer Unterschrift  auf der Selbstverpflichtung das „Kindeswohl im Sport“ und die Prävention (sexualisierter) Gewalt als oberste Prinzipien in der Kinder- und Jugendarbeit anzuerkennen. In diesen Erklärungen sind allgemeine Grundsätze aufgelistet, die eingehalten bzw. vermieden  werden müssen. Dabei dienen diese Erklärungen auch den handelnden Trainer/innen zum Schutz vor bzw. zur Vermeidung von unbegründeten Verdächtigungen.

Informationsblätter die entsprechenden Maßnahmen des TTVWHs für die Kaderspieler/innen und deren Eltern zusammenfassen und durch die Kontaktdaten der Beauftragten für Kinderschutz ergänzt werden.

Unsere Mitgliedsvereine fordern wir auf, das „Kindeswohl im Sport“ in ihre Vereinsarbeit zu integrieren und ein konkretes Präventionskonzept  gegen sexualisierte Gewalt vor Ort aufzustellen. Die Württembergische Sportjugend (WSJ) als verantwortliche Fachorganisation des Württembergischen Landessportbunds (WLSB) hat eine Reihe von Handreichungen und Formulare zusammengestellt und zum Herunterladen auf ihrer Internet-Seite zur Verfügung gestellt:

Informations-Material "Kindeswohlgefährdung" der WSJ  (Links zur Prävention und Intervention)

Gespräch mit Gudrun Laur (Beauftragte Kinderschutz im TTVWH):

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (DSJ) haben sich den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt als eines der oberen Ziele auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehört gleichzeitig auch der Schutz von Mitarbeitern vor möglichen falschen Verdächtigungen. Erreichen können die beiden obersten nationalen Sportorganisationen die Basis in erster Linie über ihre Mitgliedsverbände.

Der TTVWH hat Gudrun Laur als Beauftragte für den Kinderschutz gewinnen können. Als Lehrerin ist sie mit der Arbeit mit Kindern bestens vertraut. Nach einer großen Informations-Kampagne im Jahr 2012 möchte Gudrun Laur, die seit November 2011 im Amt ist, nun mit einer weiteren Medieninformation die Verbandsverantwortliche und Vereinsmitarbeiter gleichermaßen erreichen.

"Wir hatten im Tischtennisverband Württemberg-Hohenzollern e.V. bislang glücklicher Weise nur sehr wenige Verdachtsfälle bzw. nur einen strafrechtlich verfolgten Fall, bei denen es Handlungsbedarf gab“, sagt Gudrun Laur. "Bei meiner Tätigkeit geht es in erster Linie darum, präventiv tätig zu sein. Dazu ist Aufklärung ganz wichtig. Die Vereine sollen wissen, dass jemand da ist, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Dazu können wir jederzeit gerne Informationsmaterial zur Verfügung stellen." Sie verweist unter anderem auf entsprechende Verhaltensregeln, welche die Württembergische Sportjugend (WSJ) zusammengestellt hat.

Als äußeres Zeichen sollen Trainer und Betreuer für dieses Thema sensibilisiert werden und eine Selbstverpflichtung unterzeichnen, die deutlich macht, dass diese als wichtigste Verbindungsglieder zwischen Verband/Verein und Familie das Thema Kinderschutz als wichtige Aufgabe sehen und auch als Vorbild dienen.

"Es muss jedem ein Anliegen sein, dass sich die Kinder frei entfalten können. Es muss darauf geachtet werden, dass auch mal Unangenehmes angesprochen werden kann. Zwischen Trainern auf der einen und den Kindern auf der anderen Seite entstehen automatisch gewisse Abhängigkeitsverhältnisse, auch ohne dass diese bewusst so gewollt sind. Dazu gehören auch gut gemeinte persönliche Geschenke oder Vergünstigungen, die eventuell gewährt werden. Absprachen, die mit einem Kind oder Jugendlichen getroffen werden, sollten öffentlich gemacht werden. Die Trainer müssen sich in ihrem Handeln dieser besonderen Verantwortung gegenüber den Mädchen und Jungen stets bewusst sein", so Gudrun Laur. Sehr wohl weiß die Beauftragte für Kinderschutz, dass dies für die allermeisten Vereine gar kein Thema ist, doch sexualisierte Gewalt könne durchaus zu einer ganz heiklen Sache werden. "Wir können unsere gemeinsamen Ziele nur erreichen, wenn wir offene Aufklärung betreiben."

Diese von vorne herein offene Aufklärung könne durchaus auch für Eltern zu positiven Signalen führen. "Wenn die Mütter und Väter wissen, dass Jugendschutz nicht nur irgendwo auf dem Papier steht, sondern dass man sich im Sportverein ihrer Kinder diesem Thema bewusst und aktiv annimmt, ist das eine gute Sache. Wichtig ist, dass wir alle sensibel werden, was das Thema Missbrauch angeht und dass möglichen Tätern keine Chance gegeben wird."

Thomas Walter, Geschäftsführer Tischtennisverband Württemberg-Hohenzollern e. V.

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