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Frank Tartsch(tho) Tischtennis-Sportgeschichte hätte geschrieben werden sollen bei den drei Verbandstagen in Gerlingen, Ettlingenweier und Ottenau-Gaggenau. Wenn alle drei Verbände die erforderliche Mehrheit erreicht hätten, um grünes Licht für einen gemeinsamen Tischtennisverband Baden-Württemberg zu geben, wäre dies auch der Fall gewesen. Doch das Ganze bleibt weiterhin im Konjunktiv. Zwar sprach man sich im Tischtennisverband Württemberg-Hohenzollern genauso wie in Südbaden ganz klar für eine Verschmelzung der drei Verbände aus, doch beim außerordentlichen Verbandstag in Nordbaden reichte es nicht zur erforderlichen 4/5-Mehrheit. Somit blieb das historische Ereignis aus, und es kommt zur sogenannten „kleinen Lösung“, sprich: einem gemeinsamen Verband mit den Mitgliedern aus Württemberg und Südbaden. Einen Tag nach der ernüchternden Nachricht aus Baden hatte unser Mitarbeiter Thomas Holzapfel die Gelegenheit, mit Fusionsmanager Frank Tartsch ein Gespräch zu führen.

Redaktion: Für viele Befürworter der Verschmelzung liest sich das Ergebnis frustrierend. Lediglich 63 Prozent der anwesenden Vereinsvertreter in Baden stimmten für eine Fusion der drei Verbände, wohingegen 80 Prozent erforderlich gewesen wären. Wie ist die momentane Gefühlslage beim TTVWH-Ehrenpräsidenten, der in den letzten Monaten als Fusionsmanager agierte?  

Frank Tartsch: Keine Frage, das Ergebnis ist ein Nackenschlag. Vor allem deswegen, weil wir mit einem knappen Ergebnis gerechnet hatten. Aber die 80 Prozent, die man hätte erreichen müssen, wurden deutlich verfehlt. Einen Tag nach den Verbandstagen bin ich frustriert und traurig, dass es nun nicht zum großen gemeinsamen Verband kommt.

Redaktion: Sie waren selbst in Ettlingenweier vorort. Wie verlief der Verbandstag aus ihrer Sicht?

Frank Tartsch: Es war zuweilen ein Wechselbad der Gefühle. Zeitweise waren Tendenzen zu erkennen, dass es klappen könnte. Die Meinung der Vereinsvertreter, die jeweils eine Stimme hatten, orientierte sich allerdings oftmals an der Meinung ihrer jeweiligen Bezirksvorsitzenden. Und da gab es einige, die aus unterschiedlichen Gründen gegen die Fusion waren. Letztendlich konnten wir uns mit unseren Sachargumenten gegen die Emotionen unserer Widersprecher nicht durchsetzen. Dass einige Vereinsvertreter der Veranstaltung fernblieben, war sicherlich schlecht, hätte aber am Gesamtergebnis nichts verändert.

Redaktion: Warum hat es im Endeffekt nicht geklappt?

Frank Tartsch: Das lässt sich nicht so einfach zusammenfassen – und die Gründe sind sehr vielschichtig und manchmal auch nicht so einfach zu verstehen. Auf der einen Seite fehlt vielerorts das Interesse für den Leistungssport, dementsprechend konnten viele mit den Vorteilen in diesem Bereich nicht viel anfangen. Oftmals spielten bei der ganzen Thematik nichtige Gründe eine Rolle. So stimmte ein Vereinsvertreter gegen die Fusion, weil es in einer Präsentation einen Schreibfehler zu bemängeln gab. Hinzu kommen persönliche Animositäten, auch innerhalb des badischen Verbands. So steht der amtierende Verbandspräsident zeitweise allein auf weiter Flur, es herrscht eine Zerrissenheit zwischen Präsidium und dem erweiterten Vorstand.

Redaktion: Wie geht es nun weiter?

Frank Tartsch: Natürlich wollen wir nun nichts übers Knie brechen und erst einmal die Wunden lecken und die Gedanken sortieren. Auf der anderen Seite wollen wir mit den verantwortlichen Personen zügig die neue Konstellation angehen und schauen, welche Aktivitäten wir mit unseren südbadischen Freunden in die Wege leiten können. Diesbezüglich stehen in den kommenden Tagen erste Gespräche an.

Redaktion: Vor einigen Monaten waren sie als Fusionsmanager einberufen worden. Wie kam es dazu?

Frank Tartsch: Bei der letzten Hauptversammlung von Tischtennis Baden-Württemberg kamen zwei verantwortliche Personen auf mich zu und schilderten ihre Sorgen. In der Tat hatte man das erste Jahr im Rahmen der Fusionspläne etwas verschlafen. So bin ich dann tiefer eingestiegen, auch die Finanzverantwortung des bisherigen gemeinsamen baden-württembergischen Vereins wurde mir zugetragen. In den letzten Monaten haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, zuletzt haben wir Vereine kontaktiert und Bezirkstage besucht, um einige Zweifler noch auf unsere Seite zu bringen. Letztendlich erfolglos.

Redaktion: Bereits vor zwanzig Jahren bemühten Sie sich in ihrer damaligen Rolle als Verbandspräsident intensiv um die Fusion. Damals zerbrach das Vorhaben am Widerstand der Südbadener. Würden Sie sagen, dass Sie abermals gescheitert sind?

Frank Tartsch: Natürlich hat man in dieser Position nicht alles in der eigenen Hand. Jede Woche wurden die zu tätigenden Schritte mit dem Verbands-Geschäftsführer und dem Referenten für Tischtennis Baden-Württemberg abgesprochen. Letztendlich hat man auf die kleinen Vereine keinen Einfluss. In unserem Team haben wir immer versucht, die Emotionen rauszulassen, was uns auch gelungen ist. Aber ja, nüchtern betrachtet, bin ich als führender Funktionär dann wohl gescheitert.

Das Interview führte Thomas Holzapfel.

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