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Rosalia Stähr Alexandra Kaufmann Xu Yanhua SV BöblingenFünfzig Jahre Tischtennis in Mönsheim – die Sportvereinigung hatte am letzten Oktoberwochenende allen Grund zu feiern. Absoluter Höhepunkt war das Bundesligaspiel der Böblinger Tischtennisfrauen, die ihr Heimspiel gegen Rekordmeister ttc berlin eastside in die Mönsheimer Appenberg-Sporthalle verlegten. Und dabei 250 Zuschauer in Verzückung brachten – trotz einer recht deutlichen 1:6-Niederlage.

von Thomas Holzapfel

Qianhong Gotsch SV Böblingen„Ich denke, wir können mit diesem Wochenende sehr zufrieden sein“, sagte SpVgg-Abteilungsleiter Patrick Voltmann nach dem vereinsinternen Festabend, bei dem es ein Wiedersehen mit vielen Ehemaligen gab, und nach dem Auftritt der beiden Bundesligateams aus Böblingen und Berlin, die sich einen beeindruckenden Schlagabtausch lieferten. Im Grunde waren alle siebzig Mitglieder der Tischtennisabteilung auf den Beinen. „Ein paar rüstige Rentner halfen beim Transport der Tische, Spielfeldumrandungen und Schiedsrichterboxen, die wir allesamt aus Böblingen anlieferten“, schilderte Mönsheims Webmaster Reiner Schwager einen der wichtigsten Aufgabenbereiche. Das zehnköpfige Cateringteam um Werner Gloss und Lothar Bertsch sorgte für die allgemeine Verköstigung und bewies, dass man in Mönsheim beim Organisieren von größeren Sportveranstaltungen bereits viel Erfahrung aufweisen kann. Unter den Zuschauern weilte auch eine Jugendgruppe des benachbarten TSV Heimsheim. „Wir sind mit zwölf Jugendlichen und einigen Erwachsenen hier“, sagte Jannis Henke von der ersten Heimsheimer Jungenmannschaft, „wir kennen die Spielerinnen zwar nicht so genau, aber wir hoffen auf ein gutes Spiel und tolle Ballwechsel.“ Vom Tischtennisverband waren Tom Duffke und Simon Zuckrigl im Rahmen der Aktion „TTVWH on Tour“ im Einsatz. Dabei konnten die Zuschauer an den Mini-Tischen ihr Ballgefühl auf die Probe stellen (siehe auch der Bericht hier).

Shan Xiaona ttc berlin eastside 01„Wir freuen uns auf den FC Bayern des Tischtennis“, verkündete Böblingens Manager Frank Tartsch bei der Begrüßung, die er zusammen mit den Mönsheimer Funktionären Patrick Voltmann und Thomas Kreidler vornahm. Und machte mit dieser Aussage keinen Hehl daraus, dass die Kräfteverhältnisse bei diesem sportlichen Aufeinandertreffen klar verteilt sind. Die Böblingerinnen kämpfen gegen den Abstieg, die erfolgsverwöhnten Gäste aus der Hauptstadt wollen wieder in Meisterschaft und Champions League angreifen.

Pech hatten die Böblinger mit dem Aufstellungspoker im Doppel. „Wir hatten gehofft, dass unser neuformiertes Doppel mit Hongi Gotsch und Mitsuki Yoshida auf das schwächere Doppel der Gäste trifft, aber so weit kam es dann nicht.“ So sah sich das SVB-Quartett, das von Sönke Geil und der diesmal pausierenden Xu Yanhua betreut wurde, gleich mit einem 0:2-Rückstand konfrontiert. Die Hoffnung der Zuschauer auf ein Erfolgserlebnis von Qianhong Gotsch gegen die deutsche Nationalspielerin Nina Mittelham (aktuelle Nummer 43 der Weltrangliste) zerschlug sich, glatt in drei Sätzen musste sich die 51-jährige einer konsequent und vor allem hart angreifenden Mittelham geschlagen geben. Und „Hongi“ bewies dabei wieder einmal, dass Fairness bei ihr ganz groß geschrieben wird. Als der Schiedsrichter einen Kantenball der Böblingerin zum 10:9 im dritten Satz zuschreiben wollte, korrigierte Gotsch dies, da der Ball aus ihrem Blickwinkel nicht die Oberfläche des Tisches berührte. Der Schiedsrichter ließ sich überzeugen, Mittelham hatte dadurch Matchball und machte den Sack zu.

Rosalia Stähr SV Böblingen 01Böblingens Japanerin Mitsuki Yoshida wehrte sich gegen Shan Xiaona, eine der besten Spielerinnen der Liga, nach Leibeskräften, kam allerdings nicht in den Genuss eines Satzgewinns. Genauso wie Alexandra Kaufmann, die gegen die Schwedin Matila Ekholm erwartungsgemäß auf verlorenem Posten stand, sich aber vor allem beim 11:13 im dritten Durchgang gut aus der Affäre zog. So blieb es Rosalia „Rosi“ Stähr vorbehalten, den ersten und letztendlich einzigen Böblinger Zähler einzufahren. In einer Partie, die lange auf des Messers Schneide stand, ließ die Defensivkünstlerin auch ihr Können im Angriffsspiel aufblitzen. Nach einem Time-Out beim Stand von 8:8 im fünften Satz machte Stähr die letzten drei Punkte. Zu diesem Zeitpunkt duellierten sich Qianhong Gotsch und Shan Xiaona im Topeinzel bereits nach allen Regeln der Kunst, obwohl bis zum verwandelten Matchball von Rosalia Stähr (Foto: rechts) lange nicht sicher war, dass dieses Spiel überhaupt in die Wertung kommen würde. Ungeachtet dessen lieferten sich die beiden Spitzenspielerinnen eine Begegnung auf Weltklasseniveau. Immer und immer wieder erwehrte sich Gotsch den Angriffsbällen ihrer Kontrahentin, die mit Penholder-Griffhaltung scheinbar mühelos die Topspins anzog. Außerdem sehenswert: Shan Xiaona wirft beim Aufschlag den Ball vier bis fünf Meter hoch, um ihm dann im richtigen Moment den entsprechenden Effet zu geben. Mitsuki Yoshida SV BöblingenIm vierten Satz wurde es dramatisch: In einem wahren Kantenballfestival in der Endphase wehrte Gotsch insgesamt sechs Matchbälle ab und erzwang den entscheidenden fünften Durchgang.  In diesem fehlte Gotsch dann die Kraft, zudem stellte Shan Xiaona ihre Taktik um, mit der die Böblinger Ikone nicht zurechtkam. Mit 11:2 ging der Satz recht deutlich an die Berlinerin, die daraufhin den 6:1-Gesamtsieg für ihr Team festzurrte.

Alexandra Kaufmann SV BöblingenBöblingens langjähriger Manager Frank Tartsch nahm die Niederlage recht gelassen zur Kenntnis. „Ursprünglich wollten wir heute mit unserer 13-jährigen Annett Kaufmann antreten, aber eine Zehenverletzung ließ ihren Einsatz nicht zu.  So oder so haben wir mit einer klaren Niederlage gegen den Topfavoriten gerechnet. Ich denke, die Zuschauer sind auf ihre Kosten gekommen, vor allem bei den Spielen von Hongi Gotsch“, sagte Tartsch, der sich mit seinem Team in Mönsheim rundherum wohl fühlte. „Die Mönsheimer haben sich sehr viel Mühe gegeben und waren richtig engagiert.“

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Annett Kaufmann kam zwar nicht im Bundesligaspiel zum Einsatz, jedoch beim TTVWH on Tour Minitisch, Foto links.

Text: Thomas Holzapfel

Foto: Volker Arnold

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