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20191001 1529482 minKLEINES Land, KLEINE Halle, KLEINE Call Area, eben alles ein bisschen kleiner – so wurden wir vor ca. eineinhalb Jahren von Milana verabschiedet. Das ITTF-Turnier in Miniaturformat schreckte uns aber keineswegs ab, erneut die Reise in Richtung Osten anzutreten, um nette und herzliche Menschen kennenzulernen und wertvolle Erfahrungen als Schiedsrichter am Tisch zu sammeln. Die beiden TTVWH-Schiedsrichter waren bei den ITTF Slovenia Junior & Cadet Open live dabei.

Dienstagmorgen 8 Uhr in Öhringen. Das Auto vollgepackt mit Schiedsrichterkleidung, Essen, Trinken und großer Vorfreude auf die kommenden sechs Tage. Bei strahlendem Sonnenschein nahmen wir, Melanie Timke und Lukas Eichhorn, die ca. 800 km lange Reise nach Slowenien in Angriff. Die Route führte uns vorbei an den abgeernteten Hopfengärten in der Holledau, dem schimmernden Chiemsee direkt nach Bad Reichenhall. Zwei Vignetten später und einige Euros ärmer verließen wir unser Heimatland und machten einen Abstecher zu unseren österreichischen Nachbarn. Wir wurden von einem wunderschönen Alpenpanorama bei strahlendem Sonnenschein begrüßt, dessen Anblick durch zahlreiche lange dunklen Röhren kontinuierlich unterbrochen wurde. Nachdem der Katschbergtunnel hinter uns lag und Spittal am Wegesrand angeschrieben war, stand die Mittagspause in einem bestens bekannten Restaurant auf dem Reiseplan. Doch bevor wir unseren Hunger stillten, musste der Magen unseres roten Begleiters gefüllt werden. 20191004 132923 minDie neumodische Technik namens Smartphone verriet uns die Lage einer Tankstelle mit einem unschlagbar günstigen Dieselpreis von 1,11 € pro Liter. Da diese Tankstelle auf der anderen Stadtseite lag, erhielten wir eine kostenlose Stadtrundfahrt durch die schönen Gassen von Spittal, vorbei an beeindruckenden Häusern und Stadttoren. Eine Stunde und drei gefüllte Mägen später, begaben wir uns auf die letzte ca. zweistündige Etappe. Nach kurzer Wartezeit konnten wir den Karawankentunnel durchfahren und erreichten schließlich slowenisches Staatsgebiet. Sehr schöne Autobahnen führten uns vorbei an Ljubljana direkt zu unserem Ziel Otočec.

Auf bekannten Wegen begaben wir uns zur Halle, um unsere Akkreditierung und weitere Informationen zu erhalten. Doch weit und breit waren keine vertrauten Gesichter zu sehen. Unsere suchenden Blicke fielen dem Turnierdirektor Tomaž sofort auf, der uns dann ins Hotel Šport schickte. Dort angekommen, empfing uns ein freudestrahlendes Gesicht mit einer herzlichen Umarmung. Milana übergab uns die Akkreditierungen und nannte uns den Namen des Hotels, in dem wir vom 01. bis 06. Oktober untergebracht waren. Es befand sich dieses Jahr im Stadtzentrum von Novo mesto ca. 10 km von der Halle entfernt. Bevor wir den Weg zum Hotel antraten, organisierten wir im Restaurant, in dem wir während der kommenden Tagen das Mittag- und Abendessen erhielten, unser „Spezialessen“. Türe auf und wieder ein bekanntes Gesicht. Wir erkannten die Restaurantleiterin, die uns beim letzten Turnier in Otočec persönlich versorgte, sofort wieder. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit, sodass die Essensabsprache reibungslos ablief und wir am gleichen Abend noch mit einem warmen Essen versorgt wurden. Anschließend ging es ins Hotel, Zimmer beziehen und wieder zurück zur Halle, um beim dreißigminütigen Briefing die wichtigsten Informationen zum Turnier zu erhalten. Zurück im Hotel stand die Parkplatzsuche an. Der KLEINE Hotelparkplatz war leider schon überfüllt, sodass uns nur der öffentliche Parkplatz zur Verfügung stand, der allerdings ab 7 Uhr gebührenpflichtig war. Zum Glück lösten die Hotelangestellten am nächsten Morgen für uns einen Parkschein, sodass der Wecker erst später klingeln konnte.

IMG 11262 minDie ITTF Slovenia Junior & Cadet Open starteten an den ersten beiden Tagen mit den Teamwettbewerben und wurden an den folgenden drei Tagen durch die Individualwettbewerbe beschlossen. Als wir am ersten Tag die Halle betraten, entdeckten wir uns wohlbekannte TTVWH-Gesichter. Nach mehrmaligen Vergewissern, ob sie es tatsächlich sind, da es keine deutsche Meldung zu dem Turnier gab, waren wir uns sicher. Ramona Betz (DJK Sportbund Stuttgart) und ihr Vater waren vor Ort. Nach einem kurzen Gespräch, in dem uns Ramona erklärte, dass sie wegen der finnischen Herkunft ihrer Mutter jetzt international für Finnland antritt, nahmen wir unsere ersten Teammatches in Angriff. Wie international leider inzwischen üblich, waren wir in der Gruppenphase alleine am Tisch und mussten die gewohnten Handzeichen unterdrücken, was mehr oder weniger gut gelang. Nach einem zweiten Teamwettkampf am Nachmittag war der erste Tag beendet und wir genossen den Sonnenschein und die angenehm warmen Temperaturen. Der Einsatzplan für Donnerstag zeigte ein gewohntes Bild. Wir bildeten zusammen ein Team und bestritten neben der ersten Runde auch die letzte Runde an diesem Tag. Dies bedeutete gleichzeitig, dass wir wieder ein Finale leiten durften. Im abschließenden Mannschaftskampf im Teamwettbewerb der Mädchen standen sich die Mannschaften der einheimischen Sloweninnen und einer Kombination aus Tschechien und Hongkong gegenüber. Aufgrund der beteiligten slowenischen Mannschaft versammelten sich die zahlreichen Zuschauer direkt um unsere Box und erlebten teilweise dramatische Spiele. Im spannenden ersten Spiel gewann die Tschechin Zaderova die ersten beiden Sätze. Anschließend holte die Slowenin mit der lautstarken Unterstützung der Zuschauer die Sätze 3 und 4 bevor sie nach einer klaren Führung im fünften Satz, diesen doch noch mit 9:11 abgeben musste. Nach zwei klaren 3:0 Spielen stand es aus slowenischer Sicht 1:2. Das vierte Einzel bestritt wieder die Tschechin Zaderova und führte erneut mit 2:0 Sätzen. 20191002 164253 minDie Zuschauer waren niedergeschlagen. Doch die Slowenin gab nicht auf, gewann Satz 3, Satz 4 und schließlich auch Satz 5 mit 11:9 und hielt Slowenien im Spiel. Mit jedem Satz steigerte sich der Stimmungspegel im Publikum, sodass das letzte Spiel wieder ein klares 3:0 für Slowenien wurde. Das slowenische Mädchenteam gewann den Wettbewerb und wir durften Teil des stimmungsvollsten Teamfinals des Turniers sein.

20191002 1339012 minNach diesem Höhepunkt setzte uns der Referee Spasoje am Freitag in der Abendschicht ein. Da es sich wieder um Gruppenspiele handelte, gaben wir alleine am Tisch unser bestes. Zum Glück wurde Melanie in der letzten Runde in der Call Area eingesetzt, sodass sie nicht den Tag beschließen konnte J. An den letzten beiden Tagen arbeiteten wir wieder zusammen im Team. Da wir am abschließenden Sonntag das Turnier gegen 14 Uhr verlassen wollten, um am gleichen Tag wieder in Öhringen anzukommen, hatten wir bis 13 Uhr insgesamt 7 Spiele zu leiten. Unsere letzten beiden Spiele haben zwei Dinge bewiesen: Erstens, nach einer Ermahnung für einen zweifelhaften Aufschlag können Spieler plötzlich regelgerechte Aufschläge und zweitens, eine fünfminütige Pause zwischen zwei Spielen reicht aus, um es wieder zu vergessen. Wir hatten eine Spielerin in zwei aufeinanderfolgenden Spielen am Tisch. Im ersten Spiel ermahnten wir einen zweifelhaften Aufschlag von ihr, worauf sie anschließend nur noch regelgerecht servierte. Der erste Aufschlag im direkt anschließenden Spiel war wieder genauso zweifelhaft, sodass wir ihn wieder ermahnen mussten, um sie zu regelgerechten Aufschlägen zu motivieren.

20191005 1208272 minNachdem wir uns mit unserem letzten „Spezialessen“ für die Rückfahrt gestärkt hatten, verabschiedete uns Milana. Natürlich nicht ohne eine Einladung für die nächsten Turniere in Slowenien auszusprechen, die wir bei passenden Terminen sehr gerne wieder annehmen. Anschließend machten wir uns bei angenehmen 20 °C und Sonnenschein auf die ca. zehnstündige Rückreise nach Deutschland. Aufgrund des verlängerten Wochenendes in Deutschland gab es deutlich mehr Verkehr auf den Straßen, weshalb wir an den Mautstationen vor dem Katschberg- und Karawankentunnel einige Minuten Wartezeit mit lustigen Geschichten vom Turnier überbrücken mussten. Dank Googlemaps konnten wir einen zweistündigen Zeitverlust in einem 15 km langen Stau mit einer Fahrt durch das sehr kurvenreiche Liesertal abwenden. Dabei besichtigten wir in einer deutschen Autoschlange die traditionelle österreichische Bauweise und waren von den steil abfallenden Hängen beeindruckt. Nach dem Karawankentunnel wandelte sich plötzlich das schöne Spätsommerwetter in ein kühles und regnerisches Herbstklima, das uns bis nach Hause begleitete. Die Umfahrung des Staus an der Autobahngrenze zwischen Österreich und Deutschland nutzten wir für einen Tankstopp in Salzburg. Anschließend ging es mit einer kleinen Stadtrundfahrt bei Nacht durch Salzburg, vorbei an der hell beleuchteten Festung Hohensalzburg über die deutsche Grenze und bei Bad Reichenhall wieder zurück auf die Autobahn. Der direkte Weg führte uns ohne Stau vorbei am Chiemsee, München und Nürnberg wieder ins TTVWH-Land.

Nach fünf teilweise arbeitsreichen und sonnig warmen Turniertagen in einem KLEINEN Land, in einer KLEINEN Halle mit einer KLEINEN Call Area mit sehr vielen bekannten Schiedsrichtern, sehr gutem Spezialessen und einem Teamfinale kann man abschließend das Fazit ziehen: „Im Osten nichts Neues“.

Text: Lukas Eichhorn

Bilder: Melanie Timke

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